Leitlinien des Vereins


Leitlinien der Brücke Elmshorn e.V.Hier zum download:

Text Darstellung Leitbild Kurzfassung

Leitlinien der Brücke Elmshorn

Text Darstellung Leitbild Kurzfassung

 

 

BRÜCKE ELMSHORN E.V.Einführung zur 2. erweiterten Auflage 2008

Zur Feier des 15jährigen Bestehens der Brücke Elmshorn im März 2000 erschien die erste Fassung der »Leitlinien für unsere Arbeit«. Ausführliche Diskussionen der Entwürfe in der Mitarbeiterschaft, im Vorstand und in der Mitgliederversammlung gingen der Fertigstellung dieses Textes voraus.

Zwischenzeitlich haben die Gremien und Einrichtungen diese Leitlinien immer wieder herangezogen, um ihre Arbeit weiterzuentwickeln und zu verbessern.

Drei Punkte sind in den vergangenen Jahren ergänzt worden: Wertschätzung (2.3.), Gewaltprävention (2.4.) und Interkulturelle Öffnung (3.10.).

Auch diese Ergänzungen spiegeln die Bedeutung der »Leitlinien« als lebendige Grundlage unseres Selbstverständnisses wieder.

Da die 1. Auflage nun vergriffen ist, ist auch der Zeitpunkt gekommen, eine erweiterte Neuauflage der »Leitlinien« zu veröffentlichen.

Volker Claaßen (1. Vorsitzender)
Detlef Witthinrich (Geschäftsführer)
BRÜCKE ELMSHORN E.V.

LEITLINIEN FÜR UNSERE ARBEIT

2. erweiterte Auflage 2008

1. Leitbild des Vereins

1.1. AUFGABENSTELLUNG

1.2. REGION

1.3. NETZWERK VEREIN

1.4. TRÄGERSCHAFT

1.5. PROFIL

2. Leitbild der Einrichtungen

2.1. VERANTWORTUNG

2.2. PROFESSIONALITÄT UND TRANSPARENZ

2.3. WERTSCHÄTZUNG

2.4. GEWALTPRÄVENTION

2.5. ZIELVEREINBARUNG

2.6. KOOPERATION

2.7. SELBSTÜBERPRÜFUNG

3. Leitbild der psychosozialen Arbeit

3.1. ORIENTIERUNG AN DEN RECHTEN UND BEDÜRFNISSEN DER BETROFFNEN

3.2. HILFE ZUR SELBSTHILFE

3.3. NORMALITÄT UND SOZIALE INTEGRATION

3.4. GEMEINWESENORIENTIERUNG

3.5. PRÄVENTION

3.6. INDIVIDUELLE UND FLEXIBLE HILFEN

3.7. NIEDRIGSCHWELLIGE HILFEN

3.8. GESCHLECHTSDIFFERENZIERENDE HILFEN

3.9. GEWALTERFAHRUNGEN ERNST NEHMEN

3.10. INTERKULTURELLE ÖFFNUNG

3.11. HILFEN AUCH FÜR DIE »SCHWIERIGSTEN«

3.12. VERSTÄNDNIS VON »PSYCHISCHER ERKRANKUNG«

3.13. LERNENDE ORGANISATION

3.14. KOOPERATION UND VERNETZUNG

3.15. BALANCE HALTEN IN SPANNUNGSFELDERN

 

1. Leitbild des VereinsBRÜCKE ELMSHORN E.V.

1.1. AUFGABENSTELLUNG

Die Brücke Elmshorn hat ihre Wurzeln und ihren Kernbereich in der Arbeit mit psychisch kranken und behinderten Menschen.

Der Verein und seine Einrichtungen haben großes sozialpsychiatrisches Engagement bewiesen und wollen ihre Arbeit auf hohem fachlichem Niveau fortführen.

»Hilfen für Menschen mit psychischen Problemen« sind von uns immer so verstanden worden, dass wir nach dem Prinzip der Ganzheitlichkeit sowohl materielle wie soziale und psychische Problemsituationen und Notlagen aufgreifen, ohne dass notwendig eine psychiatrische Etikettierung erfolgt. Psychisch erkrankte Menschen, insbesondere schwer und chronisch beeinträchtigte Menschen bedürfen dabei unserer besonderen Unterstützung. Dennoch geht unser Arbeitsansatz deutlich darüber hinaus, im Interesse unseres integrativen Ansatzes und im Interesse eines breit angelegten Aufgabenspektrums.

1.2. REGION

Die Brücke Elmshorn hat ihre Wurzeln und ihren Kernbereich in Elmshorn, ohne sich damit lokal zu begrenzen. Angebote für den gesamten Kreis Pinneberg sind im Aufbau begriffen, auch erweiterte Angebote nach Norden und Osten sind denkbar. Wichtig ist dabei, dass eine angemessene Angebotsstruktur und eine gute Verknüpfung der Angebote untereinander erreicht werden kann.

1.3. NETZWERK VEREIN

Der Verein dient der Zusammenführung von interessierten BürgerInnen, von Betroffenen, Angehörigen, Fachleuten und MitarbeiterInnen.

Die dazu notwendige Orientierung an den Bedürfnissen der Betroffenen selbst, am Gemeinwesen, an der Integration in die Gemeinde und an der Alltagsbewältigung bedürfen der Fachlichkeit ebenso wie der unmittelbaren sozialen Netzwerke der Betroffenen und der Unterstützung durch bürgerschaftliches Engagement.

Der Verein dient als Netzwerkbildner für seine Mitglieder und unterstützt die Vernetzungsaktivitäten seiner Einrichtungen, Ziel ist die Entwicklung einer lebendigen Vereinskultur und die Einbindung von Bürgerhilfe.

1.4. TRÄGERSCHAFT

Der Verein ist Träger von Facheinrichtungen. Die internen Strukturen und Entscheidungskompetenzen sind in einem Organisationsstatut, dem „Brückenpfeiler“ geregelt.

Vorstand und Geschäftsführung vertreten den Verein und seine Einrichtungen nach außen. Der Vorstand setzt in enger Abstimmung mit Geschäftsführung und Fachrat den Rahmen für die professionelle Arbeit und überwacht dessen Einhaltung.

1.5. PROFIL

Die Brücke als Träger und ihre Einrichtungen entwickeln ein selbstbewusstes und eigenständiges Profil. Damit werden wir identifizierbar, unsere Arbeit erhält ein einprägsames »Gesicht« und ein deutlich spürbares »Gewicht«.

 

2. Leitbild der EinrichtungenBRÜCKE ELMSHORN E.V.

2.1. VERANTWORTUNG

Der Verein überträgt den Einrichtungen und den einzelnen MitarbeiterInnen ein hohes Maß an Verantwortung und erwartet im jeweiligen Aufgabenbereich selbständiges und kooperatives Handeln.

Verantwortung bedeutet aber auch Verantwortlichkeit gegenüber den KlientInnen, gegenüber den Kostenträgern sowie gegenüber Geschäftsführung und Vorstand.

2.2. TRANSPARENZ UND PROFESSIONALITÄT

Eine an den Bedürfnissen, den Stärken und Schwächen der Betroffenen orientierte Hilfeleistung erfordern ein hohes professionelles Niveau. Teil dieses Selbstverständnisses ist die Beziehungsarbeit durch persönliche und authentische Zuwendung.

Die Einrichtungen verfügen über praxistaugliche Konzepte, über klare Aufgabenzuweisungen für alle MitarbeiterInnen und über konkrete Darstellungen der Leistungsangebote für die KlientInnen. Die Qualitätssicherung und Qualitätsentwicklung der Arbeit wird fortlaufend gewährleistet.

Die Einrichtungen vermitteln ihr Profil, die Erfolge und Schwierigkeiten ihrer Arbeit nach außen. Adressaten sind sowohl die fachlichen KooperationspartnerInnen wie auch die regionale und lokale Öffentlichkeitsarbeit.

2.3. WERTSCHÄTZUNG

Der Verein bietet den MitarbeiterInnen angemessene Rahmenbedingungen zur Erfüllung ihrer Aufgaben. Die Arbeitsmotivation der MitarbeiterInnen hat einen hohen Stellenwert und der Verein fördert aktiv eine Kultur der Anerkennung und Wertschätzung. Weiterhin wird Wert gelegt auf eine gute räumliche und technische Ausstattung der Arbeitsplätze, gezielte Unterstützung bei Fortbildungen und Qualifizierung, regelmäßiges Feedback, angemessene Entlohnung und betriebliche Sozialleistungen. Dabei bewegen sich Ausstattung und Maßnahmen innerhalb des Rahmens, der von den Kostenträgern gesetzt wird.

2.4. GEWALTPRÄVENTION

Der Verein und seine MitarbeiterInnen tragen aktiv dazu bei, dass weder körperliche, sexualisierte, oder psychische Gewalt als Mittel der Konfliktbewältigung in seinen Einrichtungen zum Einsatz kommen. Prävention durch Transparenz, Fortbildung und offene Strukturen wird sehr ernst genommen. Für die Bearbeitung von vermuteten oder offensichtlichen Übergriffen werden Verfahrensweisen zur Klärung, Sanktionierung und verbesserten Prävention formuliert.

2.5. ZIELVEREINBARUNG

Vorstand und Geschäftsführung treffen Zielvereinbarungen mit den Einrichtungen und überprüfen die Zielerreichung. Im Bedingungsgefüge von Fachlichkeit und Wirtschaftlichkeit sollen möglichst optimale Arbeitsergebnisse erzielt werden.

2.6. KOOPERATION

Nach innen wie nach außen ist effektive Kooperation von besonderer Bedeutung.
Nach innen wird die Arbeit in Teams gebündelt und optimiert, nach außen wird die Zusammenarbeit mit anderen Trägern und Einrichtungen zur Ver-besserung der Aufgabenerfüllung vorangetrieben.

2.7. SELBSTÜBERPRÜFUNG

Insgesamt versteht sich die Brücke Elmshorn als »lernende Organisation«, die sich entsprechend den Anforderungen der Betroffenen, der staatlichen Auftraggeber und der fachlichen Standards ständig selbst überprüft und weiterentwickelt.

 

3. Leitbild der psychosozialen ArbeitBRÜCKE ELMSHORN E.V.

3.1. ORIENTIERUNG AN DEN RECHTEN UND BEDÜRFNISSEN DER BETROFFENEN

Selbstverständlich ist für uns, die Rechte und die individuellen Interessen und Bedürfnisse der Menschen zu achten, denen wir Unterstützung anbieten und geben.

Chronisch erkrankte und behinderte Menschen werden als gleichberechtigte und selbständige Partner gesehen und behandelt. Die Unterstützung richtet sich nach den Ressourcen der Betroffenen und denen ihrer Umwelt.

Die KlientInnen erhalten Mitwirkungsmöglichkeiten in den Einrichtungen und klar definierte Beschwerdemöglichkeiten.

Aus den möglicherweise unterschiedlichen Vorstellungen über Zielsetzungen und den Weg dorthin zwischen den Betroffenen selbst und uns als Hilfeleistenden ist eine tragfähige Vereinbarung über Art und Umfang der Unterstützung zu entwickeln.

Es werden individuelle Behandlungs- und Betreuungsvereinbarungen geschlossen, der grundsätzlich gleichberechtigte Dialog prägt die Beziehung.

3.2. HILFE ZUR SELBSTHILFE

Ziel der Hilfen ist es, die Handlungsfähigkeit und Selbständigkeit der betroffenen Menschen zu erhöhen. Deshalb fördern wir die Stärken und die persönlichen Ressourcen der Betroffenen und unterstützen sie dabei, soziale Kompetenzen und Eigenverantwortung zu entwickeln.

Im Vordergrund steht die Stärkung der Selbsthilfepotentiale (Empowerment). Die Abhängigkeit vom sozialen Hilfesystem soll so gering wie möglich gehalten werden.

Die Möglichkeit der Entwicklung eigenständiger Positionen – z.B. in Selbsthilfegruppen oder in eigenen Organisationen der Betroffenen – wird nachhaltig unterstützt.

3.3. NORMALITÄT UND SOZIALE INTEGRATION

Die Unterstützung soll so gestaltet werden, dass die Kontakte in der Familie, im Freundeskreis und im weiteren sozialen Umfeld erhalten und gepflegt werden können.

Fehlen derartige Bezüge weitgehend oder sollen sie aufgrund ihrer Gewaltförmigkeit gelöst werden, ergibt sich daraus die Aufgabe, neue soziale Netzwerke mit den Betroffenen zu knüpfen.

Ziel ist es, den schwierigen Ausgleich zwischen der »Normalität« gesellschaftlicher Anforderungen und der jeweiligen Individualität, der Anderssein und Integrationsproblematik unserer KlientInnen zu erreichen.

Wir wollen die Teilnahme aller am sozialen und kulturellen Geschehen und am Arbeitsleben unterstützen. Dazu ist es wichtig, auch die Ressourcen von Angehörigen sowie der Nachbarschafts- und Bürgerhilfe zu aktivieren. Auch und besonders für Menschen mit schwerwiegenden Störungen und Behinderungen bedeutet »Normalität« die Orientierung an größtmöglicher Integration, an eigenem Wohnraum und eigenständiger Lebensführung, an Arbeit und Beschäftigung sowie an der Bewältigung alltäglicher Anforderungen.

3.4. GEMEINWESENORIENTIERUNG

Zur Gemeinwesenorientierung gehört die Einbettung unserer Arbeit in die Lebenswelt der Gemeinde und der Region. Dazu gehören auch Stärkung sozialer Netze der Betroffenen und die Aktivierung von Bürgerhilfe. Die Arbeit der Brücke Elmshorn beinhaltet deshalb auch die Mitwirkung an der sozialpolitischen Meinungsbildung in der Region.

Die Einrichtungen verstehen sich auch als »Lobby« ihrer Klientel, sie machen auf gesellschaftliche Fehlurteile und auf mangelhafte Leistungen der Kostenträger aufmerksam und fordern die notwendige Toleranz und Akzeptanz ein. Entsprechend hat die Öffentlichkeits- und Gremienarbeit und die Zusammenarbeit mit Organisationen außerhalb der engeren Fachgebiete (diagonale Kooperation) herausragende Bedeutung.

3.5. PRÄVENTION

Gegenüber der Intervention in Fällen schwerer Störungen der Gesundheit oder des Verhaltens ist Prävention als Arbeitsfeld gesellschaftlich unterentwickelt. Die Einrichtungen der Brücke Elmshorn arbeiten deshalb auch an Konzepten der sekundären und primären Prävention.

Die sekundäre Prävention umfasst Maßnahmen zur Verhütung von Rückfallgefahr, von Verschlimmerung der Störung und individueller sozialer Ausgrenzung.

Die primäre Prävention erfordert, neue konzeptionelle und finanzielle Wege zu beschreiten, um der Entstehung psychischer Störungen und sozialer Notlagen vorzubeugen. Dazu gehört das frühzeitige Erkennen von Fehlentwicklungen und eine möglichst rechtzeitige und gezielte Intervention.

3.6. INDIVIDUELLE UND FLEXIBLE HILFEN

Alle Hilfeleistungen sollen abhängig vom individuellen Bedarf und den individuellen Bedürfnissen der Betroffenen, entsprechend ihrer jeweiligen Persönlichkeit, ihrem Geschlecht, ihrem Alter, ihrer Ressourcen und Handicaps gewährt werden. Wir orientieren uns an einem möglichst ganzheitlichen Verständnis der Person, welches nicht vorrangig ihre Störungen und Defizite im Blick hat.

Zielsetzung und Schritte der Unterstützung müssen immer wieder mit den KlientInnen überprüft und gegebenenfalls verändert werden.

Wichtig ist uns dabei, eine ausreichende Balance zwischen Kontinuität und Verlässlichkeit einerseits und großer Flexibilität der Aufgabenerfüllung andererseits zu gewährleisten.

3.7. NIEDRIGSCHWELLIGE HILFEN

Alle Hilfeleistungen sollen möglichst leicht zugänglich sein. Betroffene, denen es aus ganz unterschiedlichen Gründen schwer fällt, die notwendige Unterstützung in Anspruch zu nehmen, werden »dort abgeholt, wo sie stehen«.

Damit betonen wir auch den Vorrang ambulanter und zeitlich begrenzter Hilfen. Soweit unbedingt notwendig, werden aber Hilfen natürlich auch lebensbegleitend bzw. in teilstationären oder stationären Einrichtungen erbracht. Diese Formen der Hilfeleistung sind regelmäßig auf ihre Notwendigkeit hin zu überprüfen.

3.8. GESCHLECHTSDIFFERENZIERENDE HILFEN

Während die Differenzierung von Hilfen je nach sozialer Lebenslage, nach Krankheitsbild oder Lebensalter selbstverständlich erscheint, ist der geschlechtsdifferenzierende Aspekt weiter zu konkretisieren.

Unterschiedliche soziale Rollen, unterschiedliche Verhaltens- und Wahrnehmungsmuster, aber auch die unterschiedlichen physiologischen Gegebenheiten prägen die Menschen in ihrer Identität je nach Geschlechtszugehörigkeit.

Diesem Sachverhalt wollen wir in unseren Einrichtungen durch die Berücksichtigung sowohl gemischt-geschlechtlicher wie auch geschlechtshomogener Angebote, durch die Wahlmöglichkeit von Bezugspersonen, durch das Raumangebot wie insbesondere durch die Art der Beziehungsgestaltung verstärkt Rechnung tragen.

3.9. GEWALTERFAHRUNGEN ERNST NEHMEN

Strukturelle und personale Gewalterfahrungen prägen die Lebenserfahrungen vieler Menschen. Strukturelle Gewalt ist gekennzeichnet durch die soziale Notlage einer Bevölkerungsgruppe, personale Gewalt durch die unmittelbar erlittene oder ausgeübte körperliche, sexualisierte oder psychische Misshandlung.

Diese Gewaltförmigkeit der Erfahrung in der Lebensgeschichte und Alltagsbewältigung nicht auszublenden, sondern zu thematisieren und unter Berücksichtigung der Situation der Betroffenen zu bearbeiten, stellen wir uns als wichtiger Aufgabe.

3.10. INTERKULTURELLE ÖFFNUNG

Unsere Angebote sollen auch den mehr als 10 Prozent MigrantInnen in der Bevölkerung unserer Einzugsregion zur Verfügung stehen und tatsächlich von ihnen genutzt werden. Dazu erweitern wir als MitarbeiterInnen unsere Qualifikation und Arbeitsweise in Richtung kultureller Sensitivität und Kompetenz und ergänzen unser Informationsangebot um mehrsprachige Flyer und Broschüren. Wir bieten Veranstaltungen und Beratungen speziell für MigrantInnen an.

Wir arbeiten eng mit den Ausländerberatungsstellen und mit InteressenvertreterInnen und Organisationen dieser Bevölkerungsgruppen zusammen.

3.11. HILFEN AUCH FÜR DIE »SCHWIERIGSTEN«

Immer wieder finden auch in unserem differenzierten psychosozialen Hilfesystem Ausgrenzungen statt. Bestimmte Personengruppen »passen nicht in die Einrichtungen«, »wollen keine Hilfe annehmen«, sind »nicht integrierbar, therapieresistent oder antisozial«.

Die Brücke Elmshorn macht es sich zur Aufgabe, im Rahmen ihrer Möglichkeiten an der Weiterentwicklung von Hilfen mitzuarbeiten und die eigenen Angebote bei Bedarf entsprechend zu differenzieren und zu qualifizieren. Dazu gehört auch, bei bestimmten Personengruppen den Focus nicht schwerpunktmäßig auf psychosoziale und therapeutische Maßnahmen zu richten. Auch direkte (nur) materielle Hilfen oder stärker kontrollierende Maßnahmen können angemessen sein.

3.12. VERSTÄNDNIS VON »PSYCHISCHER ERKRANKUNG«

Unser Verständnis ist geprägt von einer offenen und zugleich strukturierenden Herangehensweise. Individuelle, subjektive Wahrnehmungen und Erfahrungen der Betroffenen selbst und ihrer (auch professionellen) Umwelt sollen integriert werden.

Offenheit der jeweiligen Person und Situation gegenüber wird anderseits strukturiert durch die Bezugnahme auf wissenschaftliche Erkenntnisse und Erklärungsmodelle.

Deshalb sind für uns das sozialtherapeutische Herangehen mit dem „dialogischen Prinzip“ und dem Vorrang der „Beziehungsarbeit“ ebenso wichtig wie das wissenschaftliche „Modell der Vulnerabilität“. Wir sind dadurch offen für Individualität und Besonderheit jedes Betroffenen und genauso offen für neue wissenschaftliche Erkenntnisse und Verfahren.

3.13. LERNENDE ORGANISATION

Die Brücke Elmshorn verfolgt ein innovatives und integratives Konzept pädagogischer und therapeutischer Hilfeleistungen.

Das integrative Konzept bedeutet die Einbeziehung unterschiedlicher theoretischer und methodischer Ansätze, die Zusammenführung fachlicher Spezialisierungen und eine ausreichende Transparenz der Arbeit.

Das integrative Konzept meint außerdem die Zusammenführung vieler Einzelaspekte unter den Leitmotiven von Gemeinwesenorientierung und Casemanagement.

Innovatives Konzept bedeutet, dass durch Fortbildung, Supervision, Teamarbeit und Leitung eine fortlaufende Überprüfung der Qualität der eigenen Arbeit anhand der fachlichen und wissenschaftlichen Standards sowie anhand der gesellschaftlichen Entwicklungen erfolgt.

3.14. KOOPERATION UND VERNETZUNG

Durch trägerübergreifende Kooperation können einzelne Hilfeleistungen zusammengeführt und aufeinander abgestimmt werden, Einrichtungen werden durchlässig, Reibungsverluste werden vermieden, Spezialisierungen zusammengeführt.

Andererseits bringen Vernetzungen einen eigenen Arbeitsaufwand mit sich, der auf seinen Umfang und Nutzen immer zu überprüfen ist. Synergieeffekte müssen nachweisbar sein.

Von besonderer Bedeutung können konkrete Kooperationsprojekte (»Netzknoten«) mit anderen Trägern sein, die definierte Ziele und Maßnahmen umfassen und eine deutlich höhere Wirksamkeit als vereinzeltes Vorgehen entfalten können.

Die Vernetzung erfolgt horizontal in der Zusammenarbeit mit den fachlich zuständigen Gremien, Behörden und Institutionen in der Region. Sie erfolgt überregional im Landesverband des Paritätischen, in überregionalen Arbeitsgruppen und mit den Landesbehörden. Darüber hinaus legen wir die Vernetzung auch diagonal an, das heißt, es werden möglichst viele KooperationspartnerInnen außerhalb des unmittelbar zuständigen behördlichen und sozialen Systems angesprochen und einbezogen.

Die Brücke Elmshorn nimmt mit ihren Einrichtungen teil an der regionalen »Versorgung«. Im Rahmen abgestimmter Konzepte und Finanzierungen übernimmt sie auch einen Teil der regionalen Versorgungsverpflichtung.

3.15. BALANCE HALTEN IN SPANNUNGSFELDERN

In der Sozialarbeit allgemein und in der sozialpsychiatrischen Arbeit insbesondere gilt es, in einer Vielzahl von Spannungsfeldern die Balance zu halten und das beste Vorgehen zu finden.

Die Balance zu halten zwischen Professionalität und Alltagsorientierung, zwischen Selbstbestimmung oder Eigenwilligkeit der Betroffenen und pädagogisch-therapeutischem Anspruch der MitarbeiterInnen, zwischen Eigenständigkeit und Teamverantwortung, zwischen sozialer Anpassung und Akzeptanz der Andersartigkeit, zwischen Hilfe und Selbsthilfe, zwischen Engagement und Burnout – um nur beispielhaft einige Spannungs-felder zu nennen – stellt hohe Anforderungen an die Einrichtungen, die Geschäftsführung und die MitarbeiterInnen.

»Der beste Weg, die richtige Lösung«, sind dabei oft nicht objektiv vorgegeben. Den besten Weg suchen wir im Dialog mit den Beteiligten und im Team, durch die Umsetzung fachlicher Standards, durch die Einbeziehung der persönlichen Stärken und Schwächen auch der MitarbeiterInnen. Die »Leitlinien unserer Arbeit« nutzen wir als Orientierungshilfe.

Leitlinien der Brücke Elmshorn eV